Für Herbst und Winter: Erkältungen vorbeugen 

Was hilft zur Prävention von Atemwegsinfekten?

Nicht nur, aber auch wegen COVID-19 ist es überaus wichtig, gesund und fit in den Herbst und Winter zu gehen. Die beste Prävention ist wohl ein gesunder und fitter Körper und ein munterer Geist. Dann haben es die krankmachenden Gefahren der dunklen Jahreszeit gar nicht leicht.

Zwei bis dreimal jährlich erkrankt jeder Erwachsene durchschnittlich an einer akuten respiratorischen Erkrankung (ARE), laut einer Publikation der DMW¹. Kinder erkranken sogar noch häufiger.

Oftmals werden zur Vorbeugung Vitamine, Mineralien oder pflanzliche Arzneimittel eingenommen. Was ist wirklich hilfreich und was ist überflüssig?

Symptome lindern mit Honig

Es wird immer noch zu häufig bei Atemwegsinfekten, obwohl sie fast immer viral bedingt sind, Antibiotika verschrieben. Bei viralen Infekten ist dies unwirksam und es können Resistenzen gefördert werden, da es in diesem Fall eine nicht indizierte Behandlung ist.

Inzwischen gibt es einige Studien, die Honig als Alternative bei viralen oberen Atemweginfektionen sehen. Zur Linderung von Erkältungserscheinungen wird Honig bei Kindern mit akutem Husten ausdrücklich empfohlen.

In einem systematischen Review mit Metaanalyse von 14 randomisierten kontrollierten Studien mit 1.761 Teilnehmern, haben britische Wissenschaftler um Hibatullah Abuelgasim von der Oxford University Medical School¹², folgendes ausgewertet: Vor allem bei der Reduktion von Husten, ist Honig anderen Erkältungsmedikamenten oder Placebo bei Erkältungserscheinungen, überlegen.

Der Honig konnte im Vergleich zur herkömmlichen Behandlung deutlich punkten: In Bezug auf den kombinierten Symptomen-Score, bei Hustenschwere und vor allem die Hustenfrequenz, wurde stärker abgemildert und die symptomatische Phase war 1-2 Tage kürzer.

Bei Erkältungen mit Husten, Schnupfen & Heiserkeit scheint Honig, eine nahezu nebenwirkungsfreie Alternative zur medikamentösen Therapie zu sein. Die Autoren schreiben: Man sollte überlegen, bevor man bei oberen Atemwegsinfekten Antibiotika verschreibt, ob nicht Honig die bessere Alternative ist.

Nicht immer vorteilhaft: Vitamin C

Vitamin C wird seit Jahrzehnten zur Vorbeugung gegen Erkältungskrankheiten genutzt, der Nobelpreisträger Linus Pauling z.B. schwor darauf. Allerdings wurde laut einem Cochrane-Review10, bei gesunden Probanden, die Inzidenz von Atemwegserkrankungen nicht beeinflusst. Bei der Einnahme von hochdosiertem Vitamin C (>1 g/Tag), konnte eine signifikante Reduzierung der Dauer der Symptome, von allerdings nur <1 Tag, erreicht werden2. Personen, die unter hoher körperlicher Belastung stehen oder stressigen Situationen ausgesetzt sind, profitieren hingegen von der Einnahme. Bei einer Dosis von >200 mg/Tag war ihr Risiko für Erkältungskrankheiten halbiert.

Ab >4 g/Tag können Nebenwirkungen wie gastrointestinale Störungen und Diarrhö auftreten. Zu Langzeitwirkungen liegen noch keine Zahlen vor. Ob die potenziellen Nebenwirkungen in Kauf genommen werden sollten, für eine relativ geringe Reduzierung der Krankheitsdauer, ist fraglich.

Bei Zink bitte die Nebenwirkungen bedenken

Da Zink die Bildung proinflammatorischer Zytokine hemmt, wird es häufig als präventives Mittel angewendet.

Die Einnahme von Zink (75 mg/Tag), verminderte 24 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome die Erkältungsdauer signifikant, zeigte ein Review der Cochrane Collaboration3. Jedoch ohne Wirkung auf die Inzidenz von ARE war eine prophylaktische Zink Supplementierung. Zu Nebenwirkungen wie Obstipation, Diarrhö, Mundtrockenheit und Übelkeit kam es zudem.

Dass eine präventive, mehrmonatige Zinkeinnahme (10-15 mg/Tag) sich positiv auf die Inzidenz auswirkte, konnte aber bei gesunden Kindern gezeigt werden. Da der Nutzen allerdings eher gering war, sollten den Nebenwirkungen kritisch gegen gestanden werden.

Sonnenhut ja, aber nur purpurea Echinacea

Das Immunsystem positiv beeinflussen soll Echinacea. Aufgrund der verschiedenen eingesetzten Präparate (u.a. Echinacea angustifolia, Echinacea purpurea und Echinacea pallida), sind die Studienergebnisse sehr heterogen und die Evidenzlage gering. In einem Cochrane-Review konnte ein signifikanter Nutzen in der Prävention nicht gezeigt werden4.

Die Häufigkeit von Atemwegsinfekten und auch die Zahl der Krankheitstage, konnte bei viermonatiger, präventiver Einnahme, durch eine randomisierte, placebo-kontrollierte Studie mit Echinacea purpurea, reduziert werden5.

Bei Echinacea-Präparaten sind Nebenwirkungen nicht bekannt. Am effektivsten scheint Echinacea purpurea zu sein und daher kann eine Einnahme über mehrere Monate empfohlen werden.

Leider mit Geruch aber effektiv: Knoblauch

Antibakterielle und antivirale Eigenschaften werden auch der Knoblauchknolle zugeschrieben. In einem Cochrane Review wurde die Wirkung von Knoblauch auf ARE ebenfalls untersucht6. Eine dreimonatige Einnahme von Knoblauch-Tabletten (180 mg/Tag) reduzierte die Infektionsrate signifikant, zeigte die Metastudie. Jedoch wird die Dauer der Erkrankung durch Knoblauch nicht verändert, falls es zu einer Ansteckung kommt.

Eine Studie für die dreimonatige Einnahme von Aged Garlic Extract konnte signifikante Effekte auf die Dauer, Schwere und Variabilität der Symptome finden7. Im Blut der Studienteilnehmer, waren zudem, natürliche Killerzellen und γ-δ-T-Zellen11 mit einer erhöhten Proliferationsrate und Aktivität meßbar. Ein gelegentlicher, unangenehmer Geruch und Hautausschläge waren die beobachteten Nebenwirkungen.

Einfach und wirkungsvoll: Physikalische Maßnahmen

Die Übertragung der Erreger zu verhindern ist die wirksamste Schutzmaßnahme, um Infektionen vorzubeugen, gerade in der Corona-Krise. Die Verbreitung von ARE-Erregern, wie Rhino-, Corona- und Influenzaviren werden durch regelmäßiges Händewaschen, die Verwendung von Desinfektionsmitteln und das Tragen von Handschuhen, signifikant reduziert8. Von derartigen Maßnahmen, die weder mit Nebenwirkungen noch mit hohen Kosten verbunden sind, profitieren besonders Kinder.

In der PRIMIT-Studie führte die Aufklärung über die Bedeutung des Händewaschens zu selteneren Infekten und weniger Krankheitstagen9. Verbunden mit dem erhöhtem Hygienebewusstsein waren außerdem, weniger Ansteckungen von Familienmitgliedern, einer geringeren Intensität der ARE-Symptome und deutlich weniger gastrointestinalen Infektionen.

Der ultimative Tipp: Bewegung, Bewegung, Bewegung!

Leichter aber regelmäßig ausgeübter Sport ist wohl die optimale Vorbeugung gegen Krankheiten13. Sport ist Mord? Nun, dann lassen Sie es mich so sagen: Jeder einzelne Schritt ist besser als nichts.

Für die absoluten Bewegungsmuffel: Vielleicht ist die Herangehensweise der Mini Habbits, also der ‚Kleinstvorsätze‘ das Richtige für Sie. Die Idee ist, dass Sie sich z.B. vornehmen eine Kniebeuge nach dem Aufstehen zu machen. Wenn nun schon mal diese eine Übung gemacht ist, wird man vermutlich noch ein paar mehr machen, wenn man schon mal dabei ist. Nun sollte man dazu bedenken, dass man es in 2 Monaten schaffen kann, sich etwas zur Gewohnheit zu machen15.

Regelmäßig ausgeübte Bewegung, die bringt vermutlich mehr als alle oben genannten Tipps. Was außerdem absolut erstaunlich ist, dass es offenbar extra gesund ist, sich im Wald zu bewegen und wenn es „nur“ ein Spaziergang ist14.

Wer schon viel Sport treibt, dem sei gesagt, dass Übertreibungen absolut nicht gesund sind. Besonders bei Sportarten mit Wettkampfcharakter wird gerne übertrieben um zu gewinnen und das zieht manchmal üble Verletzungen mit sich. Für Vielsporttreibende ist es eher ratsam etwas zurückzuschrauben und es öfter mal ganz locker angehen zu lassen.

Quellen und Hinweise
  1. Voß S et al. Prävention von Infekten der oberen Atemwege. Dtsch Med Wochenschr 2017; 142: 217-224.
  2. Hemilä H et al. Vitamin C for preventing and treating the common cold. Cochrane Database Syst Rev 2013. DOI: 10.1002/14651858.CD000980.pub4
  3. Singh M et al. Zinc for the common cold. Cochrane Database Syst Rev 2011; 2. DOI: 10.1002/14651858.CD001364.pub3
  4. Karsch-Völk M et al. Evaluation of echinacea for the prevention and treatment of the common cold. Cochrane Database Syst Rev 2014. 10.1002/14651858.CD000530.pub3
  5. Jawad M et al. Safety and Efficacy Profile of Echinacea purpurea to Prevent Common Cold Episodes: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial. Evid Based Complement Altern Med 2012: 841315.
  6. Lissiman E et al. Garlic for the common cold. Cochrane Database Syst Rev 2014. DOI: 10.1002/14651858.CD006206.pub4
  7. Percival SS. Aged Garlic Extract Modifies Human Immunity. J Nutr 2016; 146: 433-436.
  8. Jefferson T et al. Physical internventions to interrupt or reduce the spread of respiratory viruses. Cochrane Database Syst Rev 2011. DOI: 10.1002/14651858.CD006207.pub4
  9. Little P et al. An internet-delivered hand-washing intervention to modify influenza-like illness and respiratory infection transmission (PRIMIT): a primary care randomised trial. Lancet 2015; 386: 1631-1639.
  10. Cochrane Reviews sind systematische Übersichtsarbeiten, in denen die Forschungsergebnisse zu Fragen der Gesundheitsversorgung und -politik zusammengefasst werden. Diese Reviews sind international als Qualitätsstandard in der evidenzbasierten Gesundheitsversorgung anerkannt. https://www.cochrane.de
  11. Prof. Kabelitz, Zelluläre Immunabwehr, Epigenetisches Profil verschiedener T-Zelltypen, 2015: http://inflammation-at-interfaces.de/de/newsroom/jahresberichte/2015/zellulaere-immunabwehr
  12. Hibatullah Abuelgasim et al; Effectiveness of honey for symptomatic relief in upper respiratory tract infections: a systematic review and meta-analysis; BMJ Evidence-based Medicine (2020); DOI: http://dx.doi.org/10.1136/bmjebm-2020-111336
  13. Prof. Dr. Klaus Völker, Zusammenhang von körperlicher Aktivität mit physischer und psychischer Gesundheit: https://bkk-vdn.bgm-bkk.de/uploads/media/LIGA_Fokus_12.pdf#page=13
  14. Dr. Anika Gaggermeier, Lena Friedmann u.a. – Ludwig-Maximilians-Universität München – Die Heilkraft des Waldes: https://ihrs.ibe.med.uni-muenchen.de/mitarbeiter/wiss_mitarbeiter/immich/friedmann2018_heilwirkung_wald.pdf
  15. Phillippa Lally, Cornelia H. M. van Jaarsveld, Henry W. W. Potts,Jane Wardle: How are habits formed: Modelling habit formation in the real world, 2009 – https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/ejsp.674

© 2020 Heilpraktikerin Natalija Wagensommer